13.01.2026
Bremerhaven: Thünen-Institut bereitet Ansiedlung der Europäischen Auster vor
Am Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven werden Zucht- und Fortpflanzungstechniken für die Europäische Auster erprobt und optimiert, meldet das Institut. Die erfolgreiche Produktion von Saatmuscheln sei ein Schlüssel für die erfolgreiche Wiedererrichtung von Austernbänken in der Nordsee. Motiv sei der Umstand, dass die Europäische Auster (Ostrea edulis) weit mehr als eine kulinarische Spezialität sei, sondern vielmehr als "Ingenieurin der Meere" gelte.
Durch die Bildung von Riffen verbessert sie die Wasserqualität, schafft komplexe Lebensräume und fördert die Vielfalt der Meeresbewohner. Fische, Krebse und Muscheln finden in den Austernbänken Zuflucht, Nahrung oder Laichgebiete. Daneben erbringen diese Oasen der Biodiversität vielfältige Ökosystemleistungen, etwa, indem sie Sedimente stabilisieren und die Algenblüten abschwächen. Die Europäische Auster war einst in der Nordsee weit verbreitet, ist dann aber durch eine zu intensive Nutzung fast vollständig verschwunden. Mit ihrem Verschwinden geriet auch ein ganzer Lebensraum ins Ungleichgewicht – mit direkten Folgen für die Resilienz der Küstenökosysteme. In einem großangelegten Projekt sollen nun bis 2034 Riffe wiederbelebt werden.
Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt von Thünen-Institut, Alfred-Wegener-Institut (AWI) und Bundesamt für Naturschutz (BfN). Eine der größten Herausforderungen sei die Beschaffung von geeignetem "Austern-Saatgut", also von Jungmuscheln. "Das Saatgut muss nicht nur in ausreichender Zahl vorhanden sein, sondern auch gesund und genetisch vielfältig sein und vor allem bereit dafür, neue Riffe zu besiedeln", sagt Dr. Bérenger Colsoul. Er bearbeitet für das Thünen-Institut für Fischereiökologie das Projekt "Integrative Maßnahmen zur Wiederherstellung intakter Riffsysteme der Europäischen Auster in einem artenübergreifenden Ansatz". Thünen optimiert in "einer der modernsten Aquakulturanlagen Europas" Zucht- und kontrollierte Fortpflanzungstechniken für die Ostrea edulis – von der Haltung der Elterntiere über die Kultivierung von Mikroalgen und die Aufzucht von Larven bis hin zu ihrer Ansiedlung auf Schalen ("spat-on-shell") etablieren die Forschenden eine vollständige Produktionskette. Ziel sei es, eine verlässliche Versorgung mit Jungmuscheln sicherzustellen, um Restaurierungsprojekte etwa vor der deutschen Nordseeküste zu unterstützen.
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